Kernsysteme im Banken-Umfeld modernisieren, ohne den Betrieb zu riskieren

Die Modernisierung eines Kernsystems bei Banken muss nicht als “Big Bang” erfolgen. Wer schrittweise vorgeht – also mit klarer Architektur, sauberer Datenmigration und kontrolliertem Parallelbetrieb arbeitet – reduziert Risiko deutlich. Entscheidend sind Transparenz, Testing und ein Team mit Erfahrung in komplexen Finanzsystemen. So bleibt der Betrieb stabil, während das System zukunftsfähig wird.

Warum umfassende Migrationen im Banken-Umfeld selten sinnvoll sind

Kernsysteme im Banken-Umfeld sind geschäftskritisch. Sie steuern Zahlungsflüsse, Kreditprozesse, Reporting, Schnittstellen zu Drittsystemen und regulatorische Anforderungen.

Ein kompletter Austausch an einem Stichtag klingt sauber. In der Praxis bedeutet das jedoch:

  • Hohes Betriebsrisiko
  • Komplexe Datenmigration unter Zeitdruck
  • Massive Abhängigkeiten zu Umsystemen
  • Geringe Fehlertoleranz im Livebetrieb

Gerade bei gewachsenen Systemlandschaften mit historischer Logik ist ein schrittweiser Ansatz deutlich stabiler.


5 bewährte Modernisierungs-Patterns im Banken-Umfeld

1. Strangler Pattern

Neue Funktionalität wird ausserhalb des Altsystems aufgebaut und schrittweise angebunden. Das alte System bleibt bestehen, bis einzelne Teile ersetzt sind.

Vorteil: Minimales Risiko, klare Verantwortlichkeiten.

2. API Layer vor das Kernsystem setzen

Statt direkt im Kern einzugreifen, wird eine Integrationsschicht aufgebaut. Neue Services greifen über APIs zu.

Vorteil: Entkoppelung, bessere Erweiterbarkeit.

3. Parallelbetrieb mit kontrollierter Umschaltung

Neue Module laufen parallel zum Altsystem. Daten werden synchronisiert, Prozesse verglichen, Abweichungen analysiert.

Vorteil: Transparente Validierung vor endgültiger Ablösung.

4. Modulweise Ablösung

Nicht das ganze System, sondern einzelne Fachbereiche werden Schritt für Schritt modernisiert – zum Beispiel:

  • Kreditprüfung
  • Vertragsmanagement
  • Reporting
  • Mahnwesen

Vorteil: Klar definierte Projektgrössen und schnelle Teilerfolge.

5. Schrittweise Datenmigration

Daten werden nicht in einem einzigen Schritt verschoben, sondern iterativ. Historische Daten können archiviert, operative Daten priorisiert werden.

Vorteil: Geringeres Risiko, bessere Datenqualität.

Datenmigration sicher gelöst

Die grösste Unsicherheit bzw. das grösste Risiko liegt meist nicht im Code, sondern bei den Daten.

Typische Herausforderungen:

  • Unterschiedliche Datenmodelle
  • Inkonsistenzen im Bestand
  • Fehlende Dokumentation
  • Historische Sonderlogiken

Eine saubere Migration braucht:

  • Frühzeitige Datenanalyse
  • Mapping Dokumentation
  • Testmigrationen mit echten Daten
  • Klare fachliche Verantwortung

Wenn Fachseite und IT gemeinsam validieren, entsteht Sicherheit.

Teststrategie: Es braucht mehr als nur Funktionstests

Im Banken-Umfeld reicht es nicht, dass ein Screen funktioniert. Es bedarf einem umfangreichen und durchdachten Testkonzept. Das beinhaltet beispielsweise:

  • Regressionstests
  • Schnittstellentests
  • Last- und Performancetests
  • Berechtigungstests
  • Revisionsrelevante Prüfungen
  • …und viele weitere

Je komplexer das Kernsystem, desto wichtiger wird ein strukturiertes Testkonzept mit klarer Dokumentation.



Sicherheit und Compliance mitdenken

Banken und Finanzdienstleister bewegen sich in einem regulierten Umfeld. Modernisierung darf keine neuen Risiken erzeugen.

Wichtig zum Mitdenken:

  • Lückenloses Logging
  • Rollen- und Rechtekonzepte
  • Audit Trail
  • Dokumentation für interne und externe Prüfstellen
  • Nachvollziehbare Deployment-Prozesse

Architekturentscheidungen müssen immer auch aus Compliance-Sicht bewertet werden.

Was wir mitnehmen

Kernsysteme bei Banken lassen sich modernisieren, ohne den Betrieb zu gefährden. Entscheidend ist nicht Geschwindigkeit, sondern Struktur.

Schrittweise Ablösung, klare Architektur, saubere Datenmigration und eine belastbare Teststrategie reduzieren die Risiken massiv.

Wenn Modernisierung strategisch geplant wird, entsteht nicht nur ein neues System, sondern eine zukunftsfähige Basis für weitere digitale Entwicklungen.

Marc Cadalbert