Was kostet Software, wenn KI den Code schreibt?

Das Wichtigste in Kürze

  • KI erzeugt Routinecode in einem Bruchteil der bisherigen Zeit. Der reine Zeitaufwand sagt darum weniger über den Wert einer Lösung aus als früher.
  • Drei Verrechnungsmodelle prägen den Markt: Stundensatz, Paketpreis und Kontingent-Modelle. Jedes hat Stärken und Grenzen.
  • Bezahlt wird im Kern für Anforderungsklärung, Architektur, Prüfung und Verantwortung. Diese Arbeit bleibt, auch wenn Code günstiger wird.
  • Ein faires Modell macht Effizienzgewinne transparent und passt zur Art des Vorhabens.

Eine Schnittstelle, für die ein Entwickler bisher zwei Tage einplante, steht mit KI-Unterstützung an einem Vormittag. Wer als Auftraggeber eine Offerte über 200 Stunden auf dem Tisch hat, stellt darum eine berechtigte Frage: Gelten diese Stunden noch? Die Kosten in der Softwareentwicklung verändern sich gerade ziemlich grundlegend. Betroffen ist dabei weniger die Höhe des Preises als die Logik dahinter.

Warum die Stunde an Aussagekraft verliert

Der Stundensatz beruht auf einer einfachen Annahme: Je mehr Zeit eine Aufgabe braucht, desto mehr ist sie wert. Diese Annahme war jahrzehntelang sinnvoll, weil Zeitaufwand und Ergebnis eng zusammenhingen. Mit KI-Werkzeugen löst sich dieser Zusammenhang für einen Teil der Arbeit auf. Codegerüste, Migrationsskripte, Testfälle und Dokumentation entstehen heute schneller, und die Werkzeuge werden laufend besser.

Damit entsteht eine Schieflage: Ein Team, das effizient mit KI arbeitet, würde bei reiner Stundenabrechnung für seine Effizienz bestraft. Ein Team, das langsam arbeitet, verrechnet mehr. Für Auftraggeber wird die Stundenrechnung dadurch schwerer lesbar. Denn damit zeigt sich nur, wie lange etwas gedauert hat, aber immer weniger, was es wert ist.

Drei Modelle im Vergleich: Stundensatz, Paketpreis, Kontingent

Stundensatz: Transparent und flexibel, besonders bei Vorhaben mit offenem Verlauf. Die Grenze liegt im Anreiz: Effizienzgewinne durch KI kommen nicht automatisch beim Auftraggeber an. Wer nach Stunden einkauft, sollte darum wissen, wie der Anbieter mit KI arbeitet und wie sich das in der Schätzung niederschlägt.

Paketpreis: Ein fixer Preis für ein definiertes Ergebnis. Planbar für das Budget und fair, wenn die Anforderungen sauber geklärt sind. Genau hier liegt die Voraussetzung: Ein Paketpreis ist nur sinnvoll, wenn die Klärung davor wirklich ausführlich stattfindet. Unpräzise Anforderungen führen zu Nachträgen oder zu Diskussionen über den Leistungsumfang.

Kontingent-Modelle: Der Auftraggeber kauft ein monatliches Kontingent an Entwicklungsleistung, das gemeinsam priorisiert wird. Das passt zu Lösungen, die laufend weiterentwickelt werden, und verteilt Effizienzgewinne automatisch: Wird das Team schneller, passt mehr in dasselbe Kontingent. Voraussetzung sind Vertrauen und eine klare, regelmässige Priorisierung.

Wofür Auftraggeber tatsächlich bezahlen

Der aufwändigste Teil eines Softwareprojekts liegt vor und nach dem eigentlichen Programmieren: herausfinden, was ein Unternehmen tatsächlich braucht, Architekturentscheide treffen, die langfristig Sinn machen, KI-Output prüfen, bevor er in ein Kernsystem gelangt, und die Lösung im Betrieb verantworten. Wie sich diese Gewichte verschieben, haben wir im Beitrag Individualsoftware und KI: Was sich ändert, was bleibt beschrieben.

Für die Preisfrage heisst das: Je günstiger der Routinecode wird, desto grösser wird der Anteil dieser Klärungs- und Verantwortungsarbeit am Gesamtwert. Sichtbar wird das etwa in langfristigen Zusammenarbeiten wie mit der Zahnärztekasse AG, wo individuelle Software in monatlichen Sprints weiterentwickelt wird: Der Wert entsteht in der Priorisierung und im Verständnis des Geschäfts.

Woran Sie ein faires Modell erkennen

Unabhängig vom Modell lohnt sich der Blick auf vier Punkte:

  • Transparenz über KI-Einsatz: Der Anbieter legt offen, wo KI eingesetzt wird und wie Effizienzgewinne in die Kalkulation einfliessen.
  • Ergebnisbezug: Die Abrechnung orientiert sich an dem, was geliefert wird.
  • Geregelte Klärungsarbeit: Anforderungsklärung, Prüfung und Qualitätssicherung sind ausgewiesen und eingeplant.
  • Passung zum Vorhaben: Eine Neuentwicklung mit klarem Umfang kann mit einem Paketpreis umgesetzt werden. Eine Lösung, die über Jahre wächst, ist mit einem Kontingent oft besser bedient. Für mittlere und grosse Unternehmen mit mehreren parallelen Vorhaben kann auch eine Kombination sinnvoll sein.

Kein Modell ist für sich genommen das richtige. Entscheidend ist, dass die Verrechnungslogik zum Vorhaben passt und beide Seiten wissen, wofür bezahlt wird.

Wenn Sie vor einem Softwareprojekt stehen und die Modelle für Ihren Fall einordnen möchten: Melden Sie sich gerne für ein unverbindliches Erstgespräch.